Was ich beim Aufbau von missforty germany gelernt habe – und was andere Gründerinnen sich ersparen können
Zu Gast im Podcast bei Trusted Shops
Als ich 2020 meinen Online-Shop missforty germany gegründet habe, sah das von außen für viele ganz leicht aus. „Bei dir wirkt das alles so easy“, habe ich oft gehört. Aber die Wahrheit ist: es war gar nicht easy. Es war Pandemie, ich hatte kein Budget, kein Netzwerk, keine E-Commerce-Erfahrung – aber dafür einen ziemlich klaren Gedanken:
👉 Ich habe nur dieses eine Leben. Dann mache ich es jetzt.
Bis dahin war ich im Außendienst bei Deutsche Post / DHL unterwegs. Dann kam Corona – und mit einem Schlag war ich nicht mehr draußen bei Kunden, sondern am Schreibtisch. Und ich habe gemerkt: Das bin ich nicht.
2020 kam dann noch meine Gebärmutterhalskrebs-Diagnose dazu. Das war ein Schock – aber auch ein Wendepunkt. Wenn man sowas erlebt, rückt vieles gerade: Worauf warte ich eigentlich noch?
Also habe ich an einem Sonntagmorgen folgendes gemacht:
Und los.
Start ohne Geld: Geht das überhaupt?
Kurze Antwort: Ja. Aber du musst anders spielen als die Großen.
Ich habe am Anfang gedacht: „Okay, alle machen Ads, dann mache ich auch Ads.“
Also 100 € Facebook/Instagram-Anzeigen geschaltet. Nach zwei Stunden war das Geld weg. Keine Maschine, keine endlose Reichweite, keine Wunder. Nur 0 € auf dem Konto.
Dann kamen die gut gemeinten Tipps:
„Dann musst du halt 200 € machen.“
„Mach doch 300 €.“
„Du musst auf alle Marktplätze.“
Nein, musste ich nicht. Weil ich das Geld nicht hatte.
Und genau das ist einer meiner wichtigsten Sätze für Händler:innen heute:
Mach es nicht, nur weil alle sagen, du musst es machen.
Wenn es sich nicht rechnet – beende es.
Das gilt für Ads.
Das gilt für Marktplätze.
Das gilt für Kooperationen.
Das gilt für „du musst unbedingt auf O
Das gilt für „du musst unbedingt auf Otto“.

Die Mütze, die alles verändert hat
Weil das mit den Fremdmarken und ohne Budget nicht so gut funktionierte, habe ich mich gefragt:
„Was kannst du tun, was die anderen nicht tun?“
„Wie wirst du unvergleichbar?“
Also habe ich – wirklich total klein – 15 Mützen mit meinem Logo „missforty germany“ machen lassen. 15! Keine 500. Ich habe sie auf Instagram gezeigt.
Und plötzlich kamen Nachrichten:„Caro, wo kann ich die kaufen?“ Und da war sie, die Erkenntnis:
👉 Menschen kaufen nicht nur Produkte. Sie kaufen eine Person, eine Haltung und ein Gefühl.Ab da wurde klar: Die Marke bin ich.
Und das ist bis heute ein riesiger Vorteil, gerade im Fashion-Bereich, wo sich alles gleicht.
Den Pocast von Trusted Shops mit Carolin Handschuh findet ihr hier
Weil das mit den Fremdmarken und ohne Budget nicht so gut funktionierte, habe ich mich gefragt:
„Was kannst du tun, was die anderen nicht tun?“
„Wie wirst du unvergleichbar?“
Also habe ich – wirklich total klein – 15 Mützen mit meinem Logo „missforty germany“ machen lassen. 15! Keine 500.
Ich habe sie auf Instagram gezeigt.
Und plötzlich kamen Nachrichten:
„Caro, wo kann ich die kaufen?“
Und da war sie, die Erkenntnis:
👉 Menschen kaufen nicht nur Produkte. Sie kaufen eine Person, eine Haltung und ein Gefühl.
Ab da wurde klar: Die Marke bin ich.
Und das ist bis heute ein riesiger Vorteil, gerade im Fashion-Bereich, wo sich alles gleicht.
3. Sichtbarkeit: Warum ich selbst vor der Kamera stehe
Viele denken, man müsse für Mode erst mal Models buchen, Shootings machen, Studio mieten. Ich nicht.
Ich hatte am Anfang kein Geld für Models – also habe ich es selbst gemacht. iPhone, Ringlicht (39 € 😅), Pullover an, Story. Fertig.
Und was ist passiert?
Frauen haben angefangen, sich mit mir zu identifizieren.
Sie haben Sachen gekauft und mir Fotos geschickt.
Ich habe sie repostet.
Sie haben mich markiert.
So ist eine Community entstanden.
Und genau das ist für kleine Shops heute oft die Abkürzung:
- Zeig dich.
- Sprich normal.
- Mach keine Hochglanz-Marketing-Skripte.
- Sei da – oft.
Ich poste fast täglich – auf Instagram, LinkedIn und inzwischen auch TikTok. Und ja: Ich glaube wirklich, dass viele Trends auf TikTok starten und dann rüberschwappen – erst zu Instagram, dann sogar zu LinkedIn. Wer da früh mitspielt, hat Reichweite, bevor es alle machen.
Mein Tipp aus der Praxis:
- Wenn ein TikTok-Sound gerade trendet → adaptieren.
- Wenn ein Format funktioniert → recyceln.
- Wenn ein Video viral war → ja, das macht süchtig – aber bleib wach 😉
4. Retouren: Unbequem, aber überlebenswichtig
Fashion ohne Retouren? Gibt’s nicht.
Aber Fashion ohne Retouren-Strategie? Das frisst dich auf.
Ich hatte mal eine Kundin, die hat 10 Lederjacken in Größe 36 bestellt. Warenwert um die 2.000 €.
Und alle 10 kamen wieder zurück.
Was dann passiert:
- Paket auspacken
- Karton entsorgen
- Ware prüfen
- Buchhaltung
- Neu einlagern
- Teilweise nicht mehr verkäuflich
- Und das Ganze fürs Klima auch noch absurd
Und jetzt stell dir vor, das passiert nicht einmal, sondern immer wieder. Dann musst du irgendwann sagen:
👉 Wir führen kostenpflichtige Retouren ein.
Das habe ich vor ca. einem Jahr gemacht.
Viele haben gesagt: „Mach das nicht, die Leute bestellen dann nicht mehr!“
Ja – es kamen danach weniger Bestellungen.
Aber: Die Bestellungen wurden besser. Die Retourenquote ist runter. Die Kunden, die bestellen, meinen es ernst. Und: Ich kann immer noch im Einzelfall kulant sein. Dann rufe ich an oder schicke ein Label – und die Kundin freut sich. Win-Win.
Und: Große Händler machen das inzwischen auch. Warum? Weil sie die Kunden sensibilisieren wollen.
Online-Shopping ist super bequem – aber es kostet Geld. Für Händler und für die Umwelt.
5. „Vergleicht euch nicht!“ – wirklich nicht.
Mit das Giftigste für Gründer:innen ist Vergleichen.
- „Der Shop sieht schöner aus.“
- „Die hat mehr Follower.“
- „Die hat schon ein Team.“
- „Bei der läuft es immer.“
Wir sehen immer nur die Ergebnisse – nie die Kosten dafür.
Und wir wissen auch nicht, ob die Person wirklich etwas verdient.
Deshalb mein Grundsatz:
Vergleich dich nicht mit Shops, die 10 Jahre Vorsprung haben, ein riesiges Werbebudget oder einen Investor im Rücken.
Frag dich lieber: Was kann ich mit meinen Mitteln heute wirklich machen?
Bei mir war das:
- kleine Stückzahlen
- direkte Kundennähe
- ehrliche Social-Media-Präsenz
- Kooperationen
6. Kooperationen statt nur Ads
Ein Punkt aus dem Podcast, der mir richtig wichtig ist:
Verkaufen passiert nicht nur im eigenen Shop.
Ich habe z. B. eine Kooperation mit Lufthansa Holidays gemacht. Ganz simpel: „Wer eine Reise bucht, braucht ein gemütliches Sweatshirt.“
Dann sind wir mit missforty auch im Hotelshop vom Bachmair Weissach am Tegernsee gelandet. Warum? Weil ich einfach angerufen habe. Kein kompliziertes Tool, keine Funnel-Sequenz.
Das ist übrigens ein Tipp, den ich anderen Händler:innen immer wieder gebe:
Nehmt den Hörer in die Hand.
Business wird immer noch zwischen Menschen gemacht.
Überleg mal:
- Wo ist deine Zielgruppe, wenn sie nicht online ist?
- Wo kauft sie „aus dem Gefühl“?
- Wo kann man dich mitdenken (Reisen, Hotels, Events, B2B)?
Das ist oft günstiger, nachhaltiger und wertiger als die nächste 08/15-Instagram-Ad.
7. Bewertungen: Nicht nur Ärger – auch Chance
Ich nutze natürlich ein Bewertungssystem und sehe wie alle Händler:innen:
Die, die unzufrieden sind, schreiben schneller.
Die, die happy sind, bestellen einfach wieder still und leise.
Darum:
- aktiv um Bewertungen bitten
- auch auf positive Bewertungen antworten („Danke, freut mich total!“)
- bei negativen Bewertungen freundlich erklären, was passiert ist (z. B. DHL-Streik)
Kund:innen schauen zuerst die negativen Bewertungen an. Wenn sie dort sehen:
„Ah ok, das lag gar nicht am Shop“
dann stärkt das wieder Vertrauen.
Und Vertrauen ist – gerade wenn man keine radikal neuen Produkte hat – oft der eigentliche Kaufgrund. Viele Frauen kaufen bei mir, weil sie wissen: Die Caro gibt’s wirklich.
8. Fehler? Ja. Teure sogar.
Ich erzähle das auch, weil viele nur die Sonnenseite teilen:
Ich habe mal in der Türkei produzieren lassen, Anzahlung gemacht – und der Lieferant war danach pleite.
Geld weg.
Für ein selbstfinanziertes Unternehmen richtig weh getan.
Was habe ich daraus gelernt?
- Nicht jedem Versprechen glauben.
- Nicht gleich zahlen, sondern liefern lassen.
- Agenturen, die „alles können“, erst mal testen lassen.
- Euphorie ist gut – aber Cash ist besser.
Die 5 wichtigsten Learnings aus 5 Jahren missforty
- Mach nichts, nur weil „man das so macht“. Rechne es durch. Wenn Minus → stoppen.
- Zeig dich. Menschen kaufen lieber bei Menschen als bei gesichtslosen Shops.
- Starte klein. 15 Mützen können der Beginn einer Marke sein.
- Retouren managen – nicht ertragen. Kostenpflichtige Retoure kann völlig okay sein.
- Ruf an. Kooperationen entstehen nicht nur in Tools, sondern am Telefon.
Und jetzt?
Wenn du selbst gründest oder deinen Shop gerade neu ausrichtest, dann nimm bitte das mit:
👉 Du brauchst keinen Masterplan, um anzufangen.
👉 Du darfst Dinge wieder beenden.
👉 Du musst nicht auf jedem Marktplatz sein.
👉 Du darfst deinen eigenen Weg gehen – auch wenn alle anderen TikTok doof finden.
Und wenn du sehen willst, wie ich das in echt mache – mit Ecken, Kanten, Familie und Business – dann schau gern vorbei:
- 🛍️ Shop: missforty germany
- 👩💼 Podcast: carolinhandschuh.de
- 💬 Social: Instagram, LinkedIn, TikTok – du findest mich 😉